Nachrichten

Impfpflicht?

Pfarrer Rath zur Impfung

Liebe Schwestern und Brüder,

leider sieht sich die Regierung genötigt, im neuen Jahr möglichst bald eine Impfpflicht gegen Corona einzuführen. Schade, dass nach einem Jahr der Impfmöglichkeit dieser Schritt notwendig ist. Besser wäre es, wenn sich genügend Leute freiwillig, aus Selbst- und Nächstenschutz, impfen ließen, so wie es mittlerweile (25.12.) fast 60 Millionen (70% der Gesamtbevölkerung) getan haben. Aber das ist leider nicht ausreichend, um der Pandemie Herr zu werden.

Auch aus religiösen Gründen wird gegen die Impfung argumentiert, stärker bei den freikirchlichen Gemeinschaften, aber auch bei uns und die Öffentlichkeit schert sich nicht um diese feinen Unterscheidungen.

Ein starker Vorsehungsglaube begründet oft die Haltung, sich nicht impfen zu lassen: Das ganze Leben des Beters ist von Gott umfangen und gelenkt. Deshalb wird Gott die Seinen vor aller Gefahr erretten, so wie er Jesus errettet hat. Selbst wenn es zu einer Infektion kommen sollte, ist das von Gott gewollt.

Das ist eine Gnadenlehre, die das göttliche Wirken gegenüber dem menschlichen Tun verabsolutiert. Dagegen spricht aus der Bibel die Reaktion Jesu auf die zweite Versuchung in der Wüste: „In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Mt 4,7. Und es steht dagegen, dass Gott nie über oder gegen den Willen des Menschen handelt. Immer wartet er auf die Zustimmung und das Mitwirken der Personen: Bei der Berufung des Mose, bei jeder Prophetenberufung bei der Verkündigung Mariens: Immer wartet Gott das „Ja“ des Menschen zu seiner Berufung ab.

In der Theologie wurde von Anfang an über die Frage der göttlichen Vorsehung und der menschlichen Freiheit diskutiert. Immer gehört beides zusammen: Aus göttlichem Willen und menschlicher Mitwirkung erwächst das Heil.

Deshalb gibt es auch keine kirchlichen, lehramtlichen oder theologischen Stellungnahmen gegen die Impfung. Weder der Papst, noch die deutsche Bischofskonferenz, noch unser Erzbischof äußern sich negativ zur Impfung. Im Gegenteil, auch sie empfehlen die Impfung als möglichen Weg, ganz konkretes körperliches Unheil zu verhindern, manchmal sogar als Gebot der Nächstenliebe. Das gleiche gilt für die Verlautbarungen zum Thema der evangelischen Landeskirche und der EKD. Nur medizinische Gründe gegen eine Impfung sind zu akzeptieren.

Meine Auffrischungsimpfung ist am 07.01. Ich wünsche Ihnen ein gutes und gesundes neues Jahr.

Ihr Pfarrer Hubertus Rath