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Osterbrief an alle Ehrenamtlichen

Pfarrer Rath schreibt an alle Ehrenamtlichen im Pastoralen Raum

Liebe Schwestern und Brüder,

„aussteigen“ oder „aufbrechen“ ist nicht so ganz dasselbe. Die Zielrichtung ist verschieden. „Aussteigen“, das heißt, kein Ziel haben, nur weg. Nur weg von Jerusalem, meinen die Jünger von Emmaus. Weg von dem Ort, weg von dem grausigen Geschehen.

Die Jünger von Emmaus steigen aus, am Anfang. Sie sind müde und enttäuscht und sie haben Angst. Bloß weg und die Türen hinter sich zusperren! Bloß niemand mehr sehen, bloß nicht mehr rückblicken, bloß nicht mehr davon reden. Augen und Ohren zu. Und wenn möglich, die Gedanken abstellen.

Aber: Die Vergangenheit läuft ihnen nach. Buchstäblich! Sie haben zu viel erlebt. Zunächst sagen sie noch: Schon wieder dieses Gerede. Kann denn keine Ruhe sein! „Bist du so fremd in Jerusalem?“

Während des Gespräches bleibt ihr Blick gefangen. Die Blickrichtung und ihre Gedanken sind rückwärts gewandt. „Weißt du als einziger nicht, was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ Sie erzählen von dem, was gewesen ist, von dem was sie sich ausgemalt und gehofft hatten.

Und sie brauchen den ganze Weg, 60 Stadien, sie brauchen den ganze Tag, „der Tag hat sich geneigt“, und sie brauchen einen Anstoß, ein Zeichen „Da nahm er das Brot“, um zu erkennen und zu verstehen.

Diesmal brechen sie auf, denn sie haben ein Ziel: Sie wollen nach Jerusalem, sie wollen zu den Jüngern. Der Weg fliegt unter ihren Füßen. Er ist nicht der Rede wert, denn sie haben ein Ziel: „Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten.“

In diesem Jahr bewegt mich vor allem der erste Teil der Geschichte der Emmaus-Jünger. „Bloß weg von hier.“ Bloß weg von den Kölner Wirren. Bloß weg von Missbrauch und Vertuschung. Bloß weg von undurchsichtigen Geld-Machenschaften. Bloß weg von struktureller Diskriminierung von mehr als der Hälfte der Menschen, der Christen, der Katholiken.

Wohin? Weiß ich noch nicht. Noch ist mein Blick gefesselt von dem, was passiert. Noch ist es mir nicht wie Schuppen von den Augen gefallen. Nur in einem bin ich mir sicherer, als die Jünger von Emmaus: Ich bin nicht allein unterwegs, denn ich kenne den zweiten Teil der Geschichte.

Wohin? Weiß ich noch nicht! Aber ich weiß mit wem: Mit Ihnen. Wie ich sind Sie begeistert von der Sache Jesu, wie es in einem Lied aus unserer Jugend heißt. Sie engagieren sich nicht für „die Kirche“. Sie engagieren sich für IHN in Ihrer Kirchengemeinde, in Ihrer Ortschaft. Und dafür bin ich Ihnen dankbar und mit Ihnen verbunden.

Meine Kolleginnen und Kollegen und ich möchten gerne weiter mit Ihnen den Weg nach Emmaus gehen. Mit allen Fragen, Hoffnungen, Enttäuschungen und Mutlosigkeiten. Und wir können uns alle darauf freuen, dass wir IHN auf diesem Weg immer besser verstehen und kennenlernen.

Es wird kein „Ausstieg“ werden. Uns wird ein „Aufbruch“ geschenkt. Das verbinde ich mit meinem Wunsch für ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Ihr Pfarrer

Hubertus Rath

Ostern 202