Hätten Sie´s gewusst: Der menschliche Kopf wiegt im Durchschnitt 4-6 Kilogramm!
Das Internet gibt dazu weitere Informationen: Wenn der Kopf um rund 15 Grad nach vorne gebeugt wird, wirken zusätzliche 13 kg auf den Rücken. Je tiefer der Kopf nach vorne sinkt, desto stärker wird unsere Wirbelsäule belastet. Wer auf sein Handy schaut, senkt seinen Kopf sogar um etwa 60 Grad und durch den Zug des Kopfes wirken dann ca. 27 kg auf Nacken und Rücken. Das entspricht etwa dem Körpergewicht eines siebenjährigen Kindes! Die Bänder sind gedehnt, die Muskulatur ist angespannt, der Bereich kann nicht mehr gut mit Blut versorgt werden.
Also besser: „Kopf hoch!“
„Kopf hoch!“ das sagen wir, wenn wir einem Menschen Mut und Hoffnung machen wollen.
Es gibt vieles, was uns niederdrückt, Situationen, wo wir durchhängen, wo wir uns kleinmachen, wo wir keine Kraft mehr haben und „den Kopf hängen lassen“.
Diese manchmal schnelle und vielleicht auch oberflächliche Redewendung hat einen tiefen Kern. Gute Gedanken und Anregungen dazu fand ich während meiner Exerzitien im liebevoll gestalteten Buch „Kopf hoch – Das kleine Überlebensbuch“ von Dr. med. Claudia Cross-Müller (Fachärztin für Neurologie und Psychotherapie).
Sie zeigt darin 12 Übungen, die uns in Sekundenschnelle aus einem Stimmungstief bringen sollen und dabei noch Spaß machen. Zur ersten Übung „Kopf hoch“ schreibt sie:
„Im Gesichtsbereich sind unsere wichtigsten Sinnesorgane lokalisiert: Mund, Nase, Augen und Ohren. Wenn du niedergeschlagen bist und den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes hängen lässt, bist du völlig eingeschränkt in deiner sinnlichen Wahrnehmung. Du siehst fast nichts um dich herum und fühlst dich vom Leben abgeschnitten. Das verschlechtert deine Stimmung noch mehr. Denn die Nerven im Bereich der Halswirbelsäule mit direkter Verbindung zum Gehirn melden diese ´Durchhänger-Position` den Bereichen des Gehirns, die für Emotionen zuständig sind. Und da ist mit einem gesenkten Kopf ein Stimmungstief assoziiert und mit einem erhobenen Kopf eben ein Stimmungshoch.“
Da sich Körper(haltung) und Gefühle gegenseitig beeinflussen, verbessert sich unsere Stimmung, wenn wir uns aufrichten und den Kopf heben. Wir fühlen uns kraftvoll, Ärger und Stress können uns weniger anhaben. Übrigens ist auch die Atmung verbessert, wir können tiefer und leichter atmen, wenn der Hals und die Kehle gestreckt ist. Und ein tiefer und fließender Atem sorgt zusätzlich für ein Wohlgefühl.
Also immer wieder am Tag: „Kopf hoch!“ Besonders dann, wenn ein Durchhänger kommt!
„Kopp is noch oben!“ so antwortete eine fast 90jährige Frau, zu der ich als junge Gemeindereferentin regelmäßig die Krankenkommunion brachte. Sie sprach kaum noch, wenn man sie aber fragte, wie es ihr geht, antwortete sie mit diesen Worten kurz und knapp. Mich beeindruckte wie sie ihr Leben trotz der Einschränkungen und Beschwerden annahm.
Während meiner Exerzitien im Bildungshaus „Johannisthal“ der Diözese Regensburg fand ich noch so vieles mehr! Die gradlinige Architektur und minimalistische Ausstattung der Gebäude und der Kirche lenken die Blicke auf Wesentliches. Im schlichten Bronzekreuz in der Kirche finde ich die Verbindung zu den oben ausgeführten Gedanken:
Wir haben allen Grund uns aufzurichten!
Jesus am Kreuz: nicht mit geschundenem Körper, hängendem Kopf und leidendem Ausdruck.
Jesus am Kreuz: aufrecht stehend, eine gerade Haltung, mit erhobenen Kopf, ausgebreiteten Armen, offenen Händen und liebevollem Blick.
Jesus, der Auferstandene! Jesus, der auch uns aufrichten möchte!
Er gibt Mut und Hoffnung in all unseren Lebenssorgen. In den trüben und kalten Tagen des beginnenden Novembers schenkt er Trost und Kraft, wenn wir um unsere lieben Verstorbenen trauern und ihrer gedenken. Jesus sagt auch zu dir: „Kopf hoch!“
Ihre Gemeindereferentin Mechthild Bange
