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St. Saturnina

Gemeinde im Ortsteil Neuenheerse

Die Katholische Öffentliche Bücherei
im Haus des Gastes (Alte Dechanei), Stiftsstraße 3

Die Zielgruppen unserer Bücherei sind Kinder im Vorschul- und Erstlesealter, Jugendliche und Erwachsene, die sich gern in einen interessanten Roman vertiefen möchten.

Öffnungszeiten

Dienstag,     17:00 – 18:30 Uhr
Sonntag,      10:30 – 11:30 Uhr

In unserer Einrichtung werden bis zu 45 Kinder von fünf staatlich geprüften Erzieherinnen und einer staatlich anerkannten Kinderpflegerin liebevoll betreut.

www.kita-st-josef-neuenheerse.de

Leitungsteam

Carmen Schmitz

Michelle Brandt,
Claudia Heitmeier,
Adelheid Rustemeier,
Michaela Schmitz,
Tonia Schwarze,
Christina Sökefeld,
Theresia Sökefeld,
Meike Steffen,
Hildegard Stork
Petra Wiederhold

Mail: kfd-neuenheerse@web.de

Regelmäßige Aktivitäten

Handarbeitskreis: jeden Mittwoch in der Schulzeit von 16:30 bis 18:00 Uhr in der Alten Dechanei
Kontaktperson: Adelheid Rustemeier

Frauenfrühstück: regelmäßig in der Alten Dechanei. Termine werden rechtzeitig bekanntgegeben“

KFD Gottesdienst: werden rechtzeitig im Pfarrbrief angekündigt
Alle weiteren Aktivitäten werden frühzeitig im Pfarrbrief sowie den Stadtblättern angekündigt.

Die Kalandsbruderschaft an St. Saturnina, Neuenheerse

Die Kalandsbruderschaft ist eine kirchliche Vereinigung von Geistlichen und Laien zur Pflege gemeinsamen Gebetes, der Feier von Gottesdiensten und dem Austausch über pastorale Fragen.

Kalandsbruderschaften entstanden im 13. Jahrhundert und gingen aus den Versammlungen der Dekanatsgeistlichkeit hervor, die am ersten Tag jeden Monats (lat.: Calendae) stattfanden. Nach diesem Versammlungstag gaben sie sich den Namen „Kalandsbruderschaft“. Sie wurden vorrangig in den Städten oder an Stiftskirchen gegründet, wo zahlreiche Geistliche ihren pastoralen Dienst versahen.

Das ehemalige Damenstift Heerse bot daher mit seinen 12 bis 16 Geistlichen und ebenso vielen Stiftsdamen die besten Voraussetzungen für die Stiftung eines Kalands. So geht die Neuenheerser Kalandsbruderschaft auf das Jahr 1350 zurück und besteht somit seit 670 Jahren.

Für die Durchführung der Kalandstage nutzte die Bruderschaft bereits im 16. Jahrhundert ein eigenes Haus. Später (1610) wurde ein neues Domizil  nördlich des heutigen Ehrenmals gebaut.  Dieses Gebäude ist als „Kalandshaus“ (s. Foto) in seiner Grundsubstanz heute noch erhalten. Im Jahr 1829 schenkte die Bruderschaft das Gebäude der Gemeinde Neuenheerse, die es als Mädchenschule nutzte. Heute gehört das Gebäude einem privaten Eigentümer.

Als Mitglieder können nach einem festgelegten Verfahren Priester und Laien aufgenommen werden, wenn dadurch die vom Kapitel festgesetzte maximale Mitgliederzahl von 22 nicht überschritten wird. Dazu gehören intensive Vorgespräche mit dem Bewerber oder der Bewerberin und dem Kapitel, das letztlich entscheidet und seine Zustimmung geben muss. Vor der endgültigen Aufnahme ist eine Probezeit vorgesehen.

Die Bruderschaft wird geleitet durch den Kalandsdechanten, zur Zeit von P. Josef Klingele, Missionar vom Kostbaren Blut, in Neuenheerse. Seine Aufgabe ist es u.a., die Gemeinschaft der Bruderschaft zu stärken und zu festigen.

Zweimal im Jahr – im Frühjahr am Mittwoch nach dem Weißen Sonntag und im Herbst am Montag nach dem Festtag des Hl. Michael – lädt der Dechant alle Mitglieder zum „Kaland“ ein. Das Treffen beginnt mit einem Festgottesdienst, dem Kalandsamt. Danach findet die „Kapitelsitzung“ statt, in der gemeinsam organisatorische und pastorale Fragen besprochen werden. Anschließend folgt ein gemütliches Beisammensein mit einem „Mahl“, bei dem als Tischlesung vom jüngsten anwesenden Mitglied aus dem Buch „Nachfolge Christi“ von Thomas v. Kempen vorgelesen wird. Nach dem Essen singt die Bruderschaft in der Pfarrkirche gemeinsam die Vesper und betet für ihre verstorbenen Mitglieder und Wohltäter das lateinische „Gratiarum actio“. Zum Schluss werden die Mitbrüder von den „Familiaren“ (Frauen der Gemeinschaft) mit Kaffee und Kuchen beköstigt, bevor alle Teilnehmer wieder an ihre Wirkungsstätten zurückkehren.

Franz Becker

Stand: Mai 2020

Unsere Pfarrgemeinde steht unter dem Patronat der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Saturnina – einmalig in Deutschland!

Dieses Patronat teilen wir – weltweit – lediglich mit der Pfarrgemeinde St. Saturnine in Sains les Marquion, Frankreich, mit der uns eine lange Freundschaft verbindet. Inzwischen hat diese Freundschaft auch auf kommunaler Ebene – in Form einer Städtepartnerschaft – ihren Niederschlag gefunden.

L’amitié qui lie nos deux villages …

(Die Freundschaft zwischen unseren beiden Dörfern …)

In regelmäßigem Rhythmus, in der Regel am jeweiligen Saturninenfest, fahren Mitglieder unserer Gemeinde nach Frankreich, um dort an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Zwei Jahre darauf kommen Vertreter der französischen (Pfarr-) Gemeinde dann zu uns nach Neuenheerse.

Die Association Saturnine (Saturninenverein) hat sich der Erinnerung an die Heilige Saturnina und der Pflege unserer Partnerschaft angenommen.

Hier in Neuenheerse, am Osthang des Eggegebirges an der Nethequelle gelegen, wurde im Jahre 868 das Adelige Freiweltliche Damenstift Heerse gegründet, das bis zu seiner Auflösung im Jahre 1810 fast tausend Jahre lang Keimzelle und Mittelpunkt des örtlichen Lebens war. Eng mit der Geschichte dieses Stiftes verbunden ist unsere ehemalige Stiftskirche, im Volksmund auch Eggedom genannt – eines der ältesten und bekanntesten Kirchengebäude Ostwestfalens und ein Magnet für Besucher von nah und fern.

Das Einzugsgebiet der Pfarrei umfasst die zur Stadt Bad Driburg gehörenden Ortschaften Neuenheerse und Kühlsen. Gottesdienstorte sind neben der heutigen Pfarrkirche St. Saturnina auch die Kapellen St. Josef in Kühlsen und St. Antonius (Kluskapelle) in der Gemarkung „Springer Feld“.

Geschichte des Stiftes und der Pfarrei Neuenheerse

Aus dem bewegten Leben einer über 1100 Jahre alten Kirchengemeinde.

Das Adelige Damenstift Heerse

Gründung

Auf einer Urkunde des Konzils von Worms vom 16. Mai 868 ist die Gründung eines Damenstifts durch Bischof Luithard von Paderborn und dessen Schwester Walburga „im Gebiet von Heerse“ beschrieben. Walburga wird die erste Äbtissin des Stiftes. Am 17. Juni 871 nimmt Ludwig der Deutsche die Neugründung ausdrücklich unter seinen Schutz und gewährt kaiserliche Privilegien. Das Necrologicum Heriense weiß am 6. November (wohl 887 unter Bischof Biso) von einer Weihe der vermutlich ersten Stiftskirche auf den Titel der Gottesmutter Maria – und am folgenden Tag von der Ankunft der Reliquien der hl. Saturnina zu berichten. Papst Stefan V. bestätigte die Gründung am 23. Mai 891 in einer heute noch erhaltenen Papst Urkunde auf Papyrus geschrieben.

Bedeutung

Die Gründung in Neuenheerse war zunächst ein Stützpunkt zur Festigung des neuen, christlichen Glaubens im Gebiet der Sachsen. Es handelte sich um eine Familienstiftung, denn Luithard und Walburga hatten dafür ihre Familienbesitzungen eingetauscht. In das Stift aufgenommen werden konnten adelige, unverheiratete Damen. Sie hatten als wesentliche Verpflichtung das Gebet. Zugleich wurde den Jüngeren Stiftsdamen Bildung vermittelt. Nachweisbar ab dem Jahre 1613 war eine Voraussetzung zum Eintritt, daß man seine adelige Herkunft über vier Generationen nachweisen mußte. Im Unterschied zu einem Ordensleben mit Gelübden und strenger Regel war es den Stiftsdamen unter Aufgabe ihrer Präbende möglich, das Stift zu verlassen und dann auch eine Ehe einzugehen. Bis an die Schwelle des 14. Jahrhunderts ist wohl auch noch eine gemeinsame Lebensweise in einer Klosteranlange (die vermutlich südlich der Kirche angebaut war) anzunehmen. Später lebten die Stiftsdamen in separaten Häusern, von denen noch einige in der Ortschaft erhalten sind. Die Zahl der Stiftsdamen schwankte zwischen 10 und 20 Frauen. Bei der Aufhebung waren es zwölf. Alle Stiftsdamen und die beiden Pastöre von Neuenheerse hatten Sitz und Stimme im Kapitel. Die Leitung lag in der Hand der Äbtissin. Sie war geistliches und weltliches Oberhaupt im Stift. Die Pröpstin vertrat das Stift nach außen und die Dechantin hatte für ein geordnetes geistliches Leben innerhalb des Stiftes zu sorgen. Des öfteren wurden seitens der Bischofskirche Versuche unternommen, die Verfassung des Stiftes in eine benektinische Klosterordnung umzuwandeln. Allerdings blieben diese Versuche aufgrund der alten, verbrieften Rechte erfolglos.

Weitere Entwicklung

In den folgenden Jahrhunderten gelangte das Stift als adeliges Damenstift zu großem Reichtum und Einfluß. Von den reformatorische Ideen blieb es weitgehend unberührt aufgrund der inneren Reformbemühungen der Äbtissinnen Magareta von Columna (1534 – 1589) und Othilie von Fürstenberg (1589 – 1621). Während des Dreißigjährigen Krieges verarmte das Stift durch Schutzgeldzahlungen und Plünderung, wovon sich das Stift erst unter Agatha von Niehausen am Beginn des 18. Jahrhundert erholte. Trotz des Reichdeputationshauptschlusses vom 25. Februar 1803 wurde das Stift zunächst nicht aufgelöst, sondern in eine Versorgungsanstalt für „bedürftige adelige weibliche Personen“ aus beiden Konfessionen umgewandelt. Erst durch das Dekret des Königs Jerome von Westfalen vom 01.12.1810 wurde das Stift nach einer fast tausendjährigen Geschichte aufgelöst und die Güter eingezogen. Eine der letzten Stiftsdamen war Sophie von Haxthausen, eine Tante der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die in ihrer Jugend des öfteren im Stift geweilt hat und Heerse in der „Judenbuche“ erwähnt. Die Kirche wurde nach Aufhebung des Stiftes der katholischen Pfarrgemeinde übereignet. Die Bauerhaltungpflicht übernahm mit Einzug der Güter der Fiskus.

Am 4. März 2026, jährt sich der Todes- und Namenstag der Hl. Walburga, der (Mit)Gründerin und ersten Äbtissin des ehemaligen Damenstifts Heerse. Die Pfarrgemeinde Neuenheerse gedenkt immer am darauf folgenden Sonntag ihrer in besonderer Weise.

Text folgt….

Die Verehrung der Heiligen Agatha in Neuenheerse

Ihr Haupt gehört zum Reliquienschatz der Pfarrei.

Heilige Agatha

Die Jungfrau Agatha von Catania (* um 225 in Catania auf Sizilien) starb wahrscheinlich unter Kaiser Decius als Märtyrerin um 250 in ihrer Geburtsstadt und ist u. a. die Schutzpatronin der Feuerwehr. Die Legende berichtet über das Leben der Heiligen wie folgt: Agatha war eine wohlhabende, adlige sizilianische Jungfrau von großer Schönheit. Sie wies die Brautwerbung des Statthalters Quintianus zurück, um ihr Leben der Nachfolge Christi zu weihen. Daraufhin ließ er sie in ein Bordell bringen, damit sie zur Unzucht verführt werden sollte. Aber sie hielt standhaft an ihrer Jungfräulichkeit fest. Die Folge war ein grausames Martyrium: mit den Händen an einen Balken gehängt, wurden Agatha die Brüste mit einer Zange zerrissen, mit einer Fackel in gebrannt und schließlich abgeschnitten. In der Nacht erschien ihr dann der Hl. Petrus im Kerker mit heilendem Balsam; aber sie wies die Erquickung zurück. Tags darauf legte man sie auf spitze Scherben und glühende Kohlen, bis ein Erdbeben die Stadt Catania erschütterte, worauf das Volk Quintianus bedrohte, bis der von Agatha abließ und sie ins Gefängnis warf, wo sie starb (aus: Ökumenisches Heiligenlexikon).

Agatha ist Patronin ihrer Heimatstadt Catania. Ihr dort alljährlich drei Tage lang begangene Gedenken gilt weltweit als das größte Heiligenfest. Bei einem Ausbruch des Ätna kurz nach ihrem Tod – so die Überlieferung – trugen die Einwohner ihren Schleier dem Lavastrom entgegen, der daraufhin zum Stillstand kam. In diesem wundersamen Ereignis liegt auch der Grund, weshalb Agatha in einigen Gegenden Mitteldeutschlands und in der Schweiz als Patronin der Feuerwehren verehrt wird.

Reliquien der Hl. Agatha (griech. die Gute) gelangten unter Biso, dem vierten Bischof von Paderborn, im Jahr 887 in das Stift Heerse. Wohl im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts wurde zur Aufbewahrung und Verehrung der Reliquien ein aus Silber getriebenes, teilweise vergoldetes und am Kleidausschnitt mit bunten, blattförmigen Emaileinlagen versehenes Kopfreliquiar der Hl. Agatha geschaffen.

Der südliche Seitenaltar in der Pfarrkirche, gestiftet von der Äbtissin Agatha von Niehausen (1690-1713), zeigt im gesprengten Giebel eine Plastik der Heiligen aus Alabaster. Als Zeichen für ihr Martyrium ist sie mit dem Palmzweig und der Zange als Folterwerkzeug dargestellt und hält mit der linken Hand ihre Brüste in einer Schale.

Bei der jährlichen Agatha-Prozession zur Abwendung von Feuersbrunst am Sonntag nach dem Festtag der Heiligen (5. Februar) – Stand durch 2026 –   wird das Kopfreliquiar, getragen von zwei Feuerwehrmännern, unter der Begleitung der Löschgruppen Neuenheerse und Kühlsen um die Kirche getragen. Dabei werden die Feuerwehrfahrzeuge auf dem Kirchparkplatz gesegnet.

Franz Becker, Neuenheerse

Was Sprache über die Konfession aussagt

von Karina Becker

mit Anmerkungen veröffentlicht in: Die Warte, Heimatzeitschrift für die Kreise Paderborn und Höxter Nr. 132, Weihnachten 2006 (ISSN: 0939-8686), S.5-8.

Plattdiutsch in der Kirche

Nicht lateinisch, sondern plattdiutsch ist das Bibelzitat auf dem Taufstein in der Neuenheerser Stiftskirche St. Saturnina aus dem Jahr 1585. Dies erscheint zunächst ungewöhnlich, da man im sakralen Bereich doch eher lateinische Inschriften vermutet. Inschriften belehrenden Inhalts und Gebete sind allerdings bereits früh in der Volkssprache verfasst worden. Gerade nach der Reformation nahmen deutschsprachige Inschriften und speziell Bibelzitate an Häusern, auf Epitaphen und an sakralen Gegenständen zu.

Ein bisschen Geschichte – Neuenheerse inmitten des reformierten Umlands

Zur Zeit der Aufstellung des Taufsteins in Neuenheerse war die Dechantin zu Gandersheim bei Braunschweig (120 km östlich von Neuenheerse), Margareta von Clummen, Äbtissin des im Jahr 868 gegründeten „Hochadeligen Kaiserlichen freiweltlichen Damenstifts“ zu Heerse. Über die Äbtissin von Neuenheerse besteht somit ein enger Zusammenhang zu Braunschweig, das in den Jahren 1522 bis 1530 protestantisch wurde. Die Bewohner von Gandersheim nahmen 1568 den protestantischen Glauben an. Im Herbst 1568 wurde schließlich der erste Superintendent an die Stiftskirche zu Neuenheerse berufen und Äbtissin Margareta konnte nicht verhindern, dass im Seitenschiff der Kirche protestantischer Gottesdienst gehalten wurde, während die Stiftspersonen im Chor weiterhin die katholische Messe feierten. In Paderborn, dessen Bistum Heerse seit seiner Gründung 868 angehörte, war in der Zeit von 1577 bis 1585 unter Bischof Heinrich, Herzog von Sachsen-Lauenburg, eine protestantische Tendenz erkennbar. Erst mit der Jesuitenniederlassung ab 1580 erstarkte unter Bischof Dietrich von Fürstenberg (1585-1619) der Katholizismus wieder. Die Äbtissin von Heerse hielt aber bis zum ihrem Tod 1589 am Katholizismus fest. Ein Dokument vom 9. Oktober 1589 belegt dieses:

„Erstlich sollen und wollen wir bei der uralten waren catholischen römischen Religion durchaus seyn und bleiben, derselben in allem uns gemes verhalten, und keine andere in obgesetzetem Stift toleriren, und einreisen lassen.“

Es ist somit außergewöhnlich, dass das Stift Heerse trotz der protestantischen Tendenzen im Umland (Braunschweig und Paderborn) und im eigenen Ort bis 1589 nachweislich katholisch blieb. Da das Taufbecken von 1585 ist, kann also davon ausgegangen werden, dass zur Zeit der Aufstellung der katholische Glauben in Neuenheerse noch dominierte, auch wenn es protestantische Strömungen in der Gemeinde und im Stift bereits gegeben haben muss. Es ist daher von einem Nebeneinander beider Konfessionen auszugehen. Selbst wenn die Stiftsdamen katholisch geblieben waren, kann der Protestantismus in der Gemeinde durchaus überwogen haben.

Vielleicht kann die Inschrift am Taufstein Auskunft darüber geben, welche Konfession in der Gemeinde und im Stift Heerse beherrschend war.

Der Taufstein in der Stiftskirche von 1585

Der Taufstein aus Sandstein befindet sich in der Taufkapelle der katholischen Kirche St. Saturnina zu Neuenheerse. Der Holzdeckel des Taufsteins ist ohne Inschrift und nachträglich 1923 angefertigt worden. Der Inschrift zufolge stammt der Taufstein aus dem Jahr 1585, ist eine Stiftung des örtlichen Bürgermeisters Heinrich von Peyn und von einem Steinmetz namens Simon von Gizen angefertigt worden. Die sechs Seiten des Taufsteins bilden einen Kelch. Auf den Seitenflächen finden sich die Miniaturen der Schutzpatronin der katholischen Kirche zu Neuenheerse, der Hl. Saturnina, und der vier Evangelisten, die in umgekehrter Reihenfolge wie in der Bibel benannt werden: Johannes, Lukas, Markus, Matthäus. Das Wappen von Neuenheerse ist in einer Kartusche auf der sechsten Seite eingemeißelt. Über dem Wappen ist die Künstlerangabe, durch das Wappen getrennt die Stifter- und Funktionstitulierung zu lesen.

 

 

Die Inschrift des Taufsteins
A WARLICK • ICK• SEGGE • DI • ID • SI
B DEN DAT • IEMANDT • GEBAREN
C IS • VT • DEN • WATER
D VND • DEM • H • GEISTE • DE • KAN
E NICHT • IN DAT • RYKE • GADES
F KOMEN • IOHANES • AN III
a1 ANNO † DDMINI
a2 S • SATVRNI
b1 1585
b2 S • IOHANES
c S • LVCAS
d S • MARCVS
e S • MATEVS
f1 SIMON • VON • GIZEN
f2 HENRICH PEYN BOR
f3 GER MEISTER
f4 ZV HERSE
f5 DE HERSE

Die niederdeutsche Inschrift am Beckenkranz müsste folgenderweise übersetzt werden:

Wahrlich ich sage dir, wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Heiligen Geist geboren ist, kann der nicht in das Reich Gottes kommen. Johannes im dritten (Kapitel).

In der Kirche kommt alles ein wenig später

Warum ist das Bibelzitat also nicht mehr auf Latein und noch nicht auf Hochdeutsch?

Der Wechsel von mehrheitlich lateinischen zu mehrheitlich niederdeutschen Urkunden fand in den städtischen Kanzleien in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts statt. Im religiösen Bereich datiert man den Übergang zur Volkssprache erst im 15. Jahrhundert, da sich in diesem Zeitraum die Alphabetisierung infolge des „Aufkommens der dudeschen scryffscholen“ und privater Schulen in weitere städtische Schichten ausbreitete. Nach der Reformation schließlich überwogen deutsche Inschriften vollends.

Im Kanzleiwesen Paderborns fand nach 1550 schließlich der Übergang zur hochdeutschen Schriftsprache statt. In der Kirchensprache und der Sprache des Gottesdienstes bahnte sich der Durchbruch zum Hochdeutschen erst gegen Ende des 16. Jh. an. Am längsten wurde dort niederdeutsch geschrieben, wo keine professionellen Schreiber tätig gewesen wären. Dazu zählen beispielsweise Memorial- und Rechnungsbücher nichtamtlicher Einrichtungen, Handwerkerrechnungen und private Aufzeichnungen. Wenn man zu den nicht-professionellen Schreibern auch die Steinmetze zählt und den Durchbruch des Hochdeutschen im Privatbereich auf die Jahre 1580/90 bis 1625 datiert, erklärt sich, dass das Bibelzitat am Taufstein von 1585 noch niederdeutsch ist.

Bei der Schreibsprache am Taufstein ist zu berücksichtigen, dass sich Neuenheerse oberhalb der sogenannten Benrather Linie befindet. Daher ist in diesem Gebiet die zweite Lautverschiebung nicht durchgeführt worden. Ein Kennzeichen des „Plattdiutschen“ ist beispielsweise das t im Auslaut anstelle eines neuhochdeutschen s (id, dat, ut) oder im Inlaut anstelle eines ss (water). Im Niederdeutschen entwickelte sich das germanische k nicht zum ch, so dass wir „ryke“ (statt „Reich“), „warlick“ (statt „wahrlich“) und „ick“ (statt „ich“) lesen. Die sprachlichen Phänomene der Inschrift lassen sich auch in Urkunden und Aufzeichnungen im Stift Heerse wiederfinden. Dennoch ist die Urkundensprache im Gegensatz zur Inschriftsprache schon hochdeutsch, so dass man einen Konservatismus der Inschriftensprache feststellen kann, den der Münsteraner Sprachwissenschaftler Macha am Beispiel der rheinischen Grabkreuze schon herausgestellt hat. Aber kann man die diachronische Differenz der Inschrift- und Ortssprache auf die verwandte Bibelvorlage zurückführen und daran gleichzeitig eine religiöse Werthaltung feststellen?

Die Textvorlage: Luther oder Emser?

Ein Vergleich mit reformatorischen und gegenreformatorischen Bibelübersetzungen kann Aufschluss über die mögliche Textvorlage des Bibelzitates Joh. 3,5 am Taufstein geben. Dazu werden die Bibelübersetzungen des großen Reformators Dr. Martin Luther aus dem Jahr 1533 und des katholischen Theologen Hieronymus Emser aus dem Jahr 1529 vergleichend herangezogen. Emser galt als Gegner der Reformation und hat eine Anzahl Streitschriften u. a. gegen M. Luther, A. Karlstadt und H. Zwingli verfasst.

Es ist aber zu berücksichtigen, dass es keine prototypische katholische oder protestantische Übersetzung gibt, da man in der Forschung davon ausgeht, dass Emser auch bei Luther abgeschrieben habe. Dennoch können Parallelen oder Differenzen zwischen der Schreibung am Taufstein und der jeweiligen Textvorlage Aufschluss darüber geben, welche Bibelübersetzung wohl eher benutzt worden ist.

 

Taufstein Luther 1533 Emser 1529
Warlick ick segge di id si den dat iemandt gebaren is ut den water und dem h geiste de kan nicht in dat ryke gades komen. Warliken warliken/ yck sege dy: Idt sy denn/dat yemant gebarn werde uth dem water unde geiste/so kann he in dat rike Gades nicht kamen. warlich warlich sag ich dir. Es sey denn/ das yemant geporn werde auß dem wasser uñ heyligen geyst/so kann er nicht in das reych Gottis komen.

Bei dem neuhochdeutschen Wort „wahrlich“ wählt Emser die ch-Schreibung, Luther schreibt einfaches k und am Taufstein steht die ck-Schreibung, was eine Mischung aus beidem ist, aber eher dem k Luthers folgt. Diese Differenz lässt sich auch an den Worten „ick“ vs. „ich“, und „ryke“ vs. „reych“ feststellen. Luthertext und Inschrift zeigen e in „segge“ und wählen die a-Schreibung in „kamen“, „gebarn“ und „Gades“. Emser hingegen schreibt a in „sag“ und o bei „komen“, „geporn“ und „Gottis“. Darüber hinaus finden wir bei Luther und am Taufstein t-Laute für die s-Schreibung („id“, „dat“, „water“, „uth“), bei dem „katholischen“ Übersetzer aber durchgängig die s -Schreibung („es“, „das“, „wasser“, „auß“).

Macha hat in seinem Aufsatz zu Konfession und Sprache weitere sprachliche Differenzen in der Schreibweise der katholischen Liga und der protestantischen Union um 1600 herausgestellt. Während die katholische Liga sowohl die p– als auch die b-Schreibung nebeneinander benutze (vgl. dazu in der Emser-Übersetzung „geporn“), führe die Union konsequent die b-Schreibung aus (vgl. dazu den Luthertext mit „gebarn“), was in der Neuenheerser Inschrift durch „borgermeister“ anstatt „porgermeister“ repräsentiert wird. Im vokalischen Bereich soll die ai-Schreibung auf eine katholische Konfessionszugehörigkeit verweisen, e-Diagraphe hingegen auf protestantischer Seite. In Neuenheerse ist die ei/ey-Schreibung sowohl in „ryke“ und „geiste“ als auch in den Substantiven „henrich“ (f2), „borgermeister“ (f3) und „peyn“ (f2) zu notieren. Wiederum benutzt auch Emser durchgängig die e-Schreibung. Allerdings stehen im Luthertext i/y/ei nebeneinander für den neuhochdeutschen Diphthong ei, bei Emser hingegen durchgängig ey, so dass diese Divergenz wohl eher als Unterscheidungsmerkmal notiert werden müsste. Auch in Urkunden aus Neuenheerse ist stets die ey-Schreibung aufzufinden und steht damit konträr zur î-Schreibung am Taufstein.

Obwohl das Stift Neuenheerse katholisch war, folgt die Graphie am Taufstein von Neuenheerse also eher der protestantischen Schreibweise. Es ist aber nicht zu bestimmen, ob auch eine protestantische Vorlage benutzt worden ist, da sich in der Emser-Übersetzung – wenn man den Unterscheidungskriterien Machas folgt – sowohl Liga- als auch Unions-Schreibungen finden und „konfessionell-antagonistische Pole“ in der Schreibung nicht definitiv zu bestimmen sind. Aber gerade der Gegenreformator Emser müsste doch eigentlich eine „reine“ Liga-Schreibung benutzen. Ist die Graphie also eventuell von der Konfession des Auftraggebers oder Steinmetz abhängig?

Der Auftraggeber und Steinmetz

Taufkapelle mit Taufstein

Der ortsansässige Bürgermeister Heinrich Peyn, dessen Familie im Ort von 1456 belegt ist, wird als Auftraggeber auf dem Taufstein benannt. Leider besteht im Erzbistum Paderborn erst ab 1600 die Pflicht, Taufregister in Kirchenbüchern zu führen. Für Neuenheerse gibt es die ersten Einträge erst ab 1678. Damit kann nicht definitiv ausgesagt werden, ob der Bürgermeister nach 1533 konvertiert ist oder katholisch blieb. Der Steinmetz Simon von Gizen ist gar nicht zu fassen. Weder in Gießen (= Gizen) noch im Großraum Paderborn ist ein Steinmetz mit diesem Namen verzeichnet.

Ob überhaupt von einem Zusammenhang zwischen Konfession des Auftraggebers bzw. Steinmetz und der Schreibweise auszugehen ist, lässt sich an einem Vergleich mit zwei Inschriften aus Lemgo aufzeigen. Lemgo wurde um 1524 reformiert und infolge dessen bis 1533 die drei Hauptkirchen – St. Johannis, St. Nikolai und St. Marien – protestantisch. Die Inschriften an den Taufsteinen der St. Nikolaikirche (1597) und der St. Marienkirche (1592) entstanden innerhalb von fünf Jahren, sind von demselben Steinmetz (Georg Crosmann) angefertigt worden und von protestantischen Bürgern gestiftet worden. Auf beiden Inschriftenträgern ist ein Vers aus dem Markusevangelium (Mk. 10,14) zitiert, der auch heute noch Bestandteil der protestantischen Taufzeremonie ist. Vergleicht man diese beiden Inschriften wiederum mit den Übersetzungen Luthers und Emsers, so ergibt sich, dass die Zitate eher der Übersetzung Emsers folgen. Wenn aber gerade dieser Taufspruch zum festen Bestandteil der protestantischen Taufzeremonie gehörte und die Taufsteine Stiftungen protestantischer Bürger waren, wie erklärt es sich, dass eher der katholischen Übersetzung gefolgt wurde? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Inschriftsprache und Auftraggeber? Wenn, müsste hier eher ein Luther-Zitat verwandt worden sein. Es ist aber auch unwahrscheinlich, dass ein ortsansässiger Steinmetz je nach der Konfession der Auftraggeber unterschiedliche Schreibweisen benutzen würde. So muss das Augenmerk wohl eher auf den Steinmetz gelegt werden. Welche Bibelübersetzung lag ihm vor oder war ihm – durch mündliche Überlieferung – vertraut? War der Bevölkerung überhaupt bewusst, dass es reformatorische und katholische Übersetzungen gab und welche sie in der Kirche hörten? Kann es nicht sogar sein, dass die Pfarrer, die ja zuvor katholisch waren, noch aus der „alten“ katholischen Bibel vorlasen? Man geht davon aus, dass zwischen 1522 und 1546 bei den „12–15 Millionen Deutschen etwa eine halbe Million Lutherbibeln im Umlauf waren.“ Die vermeintliche Dominanz und Präsenz des Lutherworts ist für Neuenheerse zu bejahen, in Lemgo hingegen verhalten sich konfessionelle Dominanz und Schreibung konträr. Für Neuenheerse kommt hinzu, dass für die Inschrift eventuell bewusst der Luther-Text gewählt wurde, um ein „Zeugnis“ abzulegen. Denn wenn schon protestantischer Gottesdienst in der Stiftskirche gehalten wurde und es eine protestantische Orientierung in der Gemeinde gab, deren Bürgermeister der Auftrageber des Taufsteins war, dann ist der Taufstein nicht nur bloß eine Stiftung für die Stiftskirche, sondern auch ein bewusstes Zeichen für den protestantischen Glauben. Allerdings muss man auch von einem dichten Nebeneinander beider Zweige der christlichen Religion und keiner klaren Trennung in den Köpfen der Einwohner ausgehen. Unterstützt wird diese enge Verbindung, wenn man berücksichtigt, dass es nur diesen Taufstein in der Gemeinde gab und daher sowohl von Katholiken als auch Protestanten genutzt wurde.

 

Die Ausgestaltung des Taufsteins

Vergleicht man den Taufstein mit den ikonographischen Merkmalen, die Ulrike Mathies an protestantischen Taufbecken Niedersachsens erarbeitet hat, zeigen sich Mischformen am Neuenheerser Taufstein. Einerseits zeigt er keine szenischen Bilderfolgen, aber die Miniatur der Hl. Saturnina, was für protestantische Taufen ungewöhnlich ist, da die Reformatoren den „ganzen Heiligenkult als im Widerspruch stehend mit der Lehre des Christentums, daß nur Gott angebetet werden solle, und daß Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen sei“ verwarfen, andererseits wird ein Bibelvers zitiert, der sich bei protestantischen Werken höchster Beliebtheit erfreute. Der Taufstein bringt also durch gewähltes Bibelzitat, gewählte Bibelübersetzung und Graphie eine protestantische Werthaltung zum Ausdruck.

Wie präsent war Luther in Neuenheerse?

An dem Vergleich mit den Taufsteinen in Lemgo zeigt sich, dass es einen definitiven Zusammenhang zwischen Schreibung und Konfession nicht geben muss. Eher hängt die Wort- und Graphiewahl wohl von der Präsenz des Luther-Textes und nicht des „Luther-Glaubens“ in dem Ort selbst ab. Der Taufstein in Neuenheerse – weit von den reformatorischen Zentren entfernt und inmitten eines katholischen Damenstifts – trägt eher die Graphie und den Wortlaut Luthers, weswegen man auf eine relativ starke Präsenz der Lutherübersetzung in der Gemeinde schließen kann. Der Taufstein wird so zu einem protestantischen Glaubensbekenntnis. Ergänzend sei aber auch zu beachten, dass im katholischen Gottesdienst erst nach dem 20. Jahrhundert der deutsche Text verlesen wurde und die katholischen Bibelübersetzungen nicht gottesdienstlichen Zwecken dienten. Es zeigt sich, dass Luthers Übersetzung nicht nur aus religiösen Gründen, sondern v. a. auch wegen ihrer Volkssprachlichkeit in den Köpfen über räumliche und konfessionelle Grenzen hinweg präsent wurde und Luther selbst als „Katalysator“ der neuhochdeutschen Schriftsprache fungierte.

 

Im Jahre 2000 feierte die Kalandsbruderschaft Neuenheerse ihr 650-jähriges Jubiläum.

Zu diesem Anlass widmete die Pfarrgemeinde der Bruderschaft eine Gedenktafel, die an der Nordwand des Leichhauses angebracht wurde. Auf ihr sind (nach einer Aufstellung von Peter Schliffke) alle bekannten Pfarrer und Pfarrverwalter der Stifts- und Pfarrgemeinde St. Saturnina verzeichnet:

1123 Ade
1148, 1158 Otto
1163 Ludolf
1158, 1200 Bernhard
1232, 1250 Helmung
1263 Ludold
1299 Andreas
1313 Bertold
1323 – 1336 Bertold von Etelen
1336 Heinrich von Paderborn
1341 Konrad
1362 Dietrich
1441, 1472 Gerhard Krakeruge
1495 – 1509 Kurt Tylen
1510 – 1528 Bertold Wrede
1528 – 1540 Engelbert Wippermann
1540 – 1549 Johannes von Alen
1550 – 1587 Jodokus Ludeken
1587 – 1600 Heinrich Smedes
1600 – 1633 Konrad Abeke
1634 – 1637 Heinrich von Schomartz
1637 Johannes Ludovici
1637 Heinrich Hortulanus

 

1637- 1638 Jodokus Spellerberg
1638 – 1642 Hermann Kerschiltger
1642 – 1646 Johannes Hortulanus
1647 – 1654 Georg Lamberti
1654 – 1696 Jodokus Werneking
1696 – 1744 Heinrich Schwartzenthal
1744 – 1776 Adam Theodor Versen
1776 – 1781 Franz Krammen
1781 – 1818 Anton Knippschild
1819 – 1836 Bernhard Anton Hilker
1837 – 1853 Maurus Gerlach
1854 – 1870 Ferdinand Haimann
1870 – 1905 Josef Richter
1905 – 1938 Anton Gemmeke
1939 – 1951 Ludwig Struckmann
1952 – 1958 Josef Löcker
1958 – 1977 Wilhelm Grundmann
1977 – 1992 Helmut Giesers
1992 – 1995 Josef Klingele
1995 – 1996 Wojtek Czernatowicz
1996 – 2003 Thomas Wunram
2003 – 2008 Berthold Schneider
2008 – 2024 Hubertus Rath
2025 – Matthias Klauke

 

Die ehemalige Stiftskirche und heutige Pfarrkirche St. Saturnina

Spätestens seit dem 9. Jahrhundert existiert ein Kirchenbau in Neuenheerse. Jüngere Überlegungen vermuten eine Kapelle oder kleine Kirche am jetzigen Standort bereits gegen 820.

Bauphase 1: Spätkarolingische Basilika (9. Jahrhundert)

Neuere Grabungen im Inneren des Kirchenraumes bestätigen das Vorhandensein eines spätkarolingischen Kirchenbaues. Dieser lag parallel zur Achse des heutigen Langhauses mit einer Innenbreite von ca. 13,8 m etwas nach Süden versetzt. Bisher nicht geklärt ist, ob dieser Bau einen Westturm besaß. Angenommen wird ein Querhaus und eine Umgehungskrypta. Ob dieser Bau des 9. Jahrhunderts einen Vorläufer hatte, lässt sich nicht belegen, ist aber aufgrund des Knickes, der heute noch zwischen Vierung und Chor auszumachen ist, anzunehmen. Diese spätkarolingische Basilika hatte unter Bischof Biso (887 – 909) die Reliquien der hl. Saturnina aufgenommen. Heute ist von diesem Bau – mit Ausnahme zweier Fundamente im Querstollen der Confessio – nichts mehr sichtbar.

 

Bauphase 2: Ottonische Basilika (10. Jahrhundert)

Nach Einfällen der Ungarn ist unter Bischof Unwan (918 – 937) eine Kirchweihe belegt. Es handelt sich dabei wohl um den Beginn des Neubaues als ottonische Basilika, die in Lage und Fläche der heutigen Kirche entspricht, jedoch in der Höhe niedriger war. Das Fußbodenniveau liegt ca. 1 m unter dem heutigen Boden des nördlichen Seitenschiffes. Vermutlich war sie mit einer Chorkrypta versehen. Bausubstanz dieser Phase könnte in der nördlichen Seitenschiffwand und in der Südwand der Krypta erhalten sein.

Bau der Westwerkanlage

An diese Basilika wurde um 1030 eine reduzierte Westwerkanlange angebaut, die in ihrer Grundsubstanz heute noch erhalten ist. Sie hatte ein zentrales Westportal an der Stelle, wo heute im Turmraum die Pieta ihren Platz gefunden hat. Das ursprüngliche Fußbodenniveau ist im nördlichen Seitenschiff (Taufkapelle) erhalten. Der flachgedeckte Mittelbau war nach Osten durch drei Arkaden auf zwei Säulen und zu den Seiten mit je zwei Arkaden und einer Säule (im Nordbau sichtbar) verbunden. Im Obergeschoß gefand sich vermutlich der erste Frauenchor, der wiederum zum Kirchenschiff hin über drei Arkaden geöffnet war (heute hinter der Orgel verbaut).

 

Bauphase 3: Romanische Säulenbasilika (um 1100)

An diese Westwerkanlange wurde um das Jahr 1100 eine romanische Säulenbasilika mit geradem Chorabschluß sukzessive von West nach Ost angebaut, die in weiten Teilen heute noch sichbar ist: Im nördlichen Seitenschiff, in der Vierung, dem gesamten Chor und der Ostwand des südlichen Querhauses. Wie erwähnt, entsprach das frühromanische Langhaus seinem ottonischen Vorgängerbau im Grundriß recht exakt, übertraf diesen aber an Höhe. Dieser Bau ist die einzige in Westfalen nachweisbare Säulenbasilika. Sie war flach gedeckt und hatte im Zentrum (an der Stelle, wo sich heute die Treppenanlage zum Hochchor befindet) eine Umgehungsconfessio, die aus dem Mittelschiff durch zwei Treppenabgänge erreichbar war. In diese Zeit fällt auch ein Neubau der Krypta.

Neubau nach Brand (1165)

Im Jahre 1165 wurde die Kirche durch einen verheerenden Brand zerstört, dessen Spuren bis heute durch Brandrötung und Absplitterung an der frühromanischen Bausubstanz (Säulen in nördl. Seitenschiff) erkennbar sind. In der vorhandenen Ruine wurde die Kirche mit Veränderungen neu aufgebaut. Vierung, Chor und vermutlich auch das Querhaus wurden eingewölbt. Dazu mußten in der Krypta und in der Vierung vier große Stützpfeiler eingezogen werden. Der Fußboden wurde erhöht und in diesem Zuge vermutlich die beiden zentralen, podestbegleitenden Treppen hinab zum Kultgrab der Saturnina (bei der heutigen Treppenanlage in den Hochchor) aufgegeben. Einige Treppenstufen sind neben dem Reliquienaltar in der Confessio noch sichtbar. Auch das Westwerk wurde verändert: Verstärkt und nach Osten hin vermauert, um es durch Aufbau von weiteren Stockwerken zu einem Westturm umzugestalten. Im Nordwesten wurde das Leichhaus (heute Eingang Stiftsstraße) und im Südosten an Chor und Südquerhaus ein zweistöckiger Bau angegliedert, der im Untergeschoß die Georgskapelle (heute Marienkapelle) und im Obergeschoß die Sakristei aufnahm. Zum Ende dieser Bauphase ist auch die Einwölbung der Seitenschiffe anzusetzen.

 

Bauphase 4: Gotische Hallenkirche (14. Jahrhundert)

Innenraum St. Saturnina

Innenraum St. Saturnina

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde eine letzte große Umbaumaßnahme vorgenommen. Das südliche Seitenschiff wurde abgerissen und mit dem Mittelschiff zur gotischen Hallenkirche umgestaltet. Mächtige, achteckige Pfeiler tragen nun die rippenlose Wölbung. In den Querhausarmen wurden die Mauern z. T. verstärkt oder erneuert. Sie wurden mit Rippengewölbe versehen. Der Kapitelsaal und die darüber liegende Empore als Frauenchor stammen in ihrer jetzigen Gestalt aus dieser Zeit. Das Langhaus wurde auf gleichem Niveau mit einem Boden aus Sandsteinplatten versehen, um von dort durch den Einbau einer Fenestella Blickkontakt zum Saturninengrab in der Confessio zu ermöglichen (in der Mitte der unteren Stufen zum Hochchor). Im Südwesten wurde ein neuer Zugang zum Kirchenraum geschaffen (heute noch sichtbar links neben dem Südeingang). Unzureichende Finanzmittel waren wohl der Grund, daß die Stiftskirche im Zuge dieser Maßnahme nicht vollständig zur gotischen Hallenkirche umgewandelt worden ist.

 

Der barocke Umbau

Unter der Äbtissin Agatha von Niehausen (1690 – 1713) wurden zwischen 1693 und 1698 umfangreiche Veränderungen am Bau vorgenommen: Der Chor erhielt neue Strebenpfeiler, die dort maroden Bruchsteingewölbe wurden durch Backsteingewölbe ersetzt, neue Fenster wurden im Ost- und Fräuleinchor eingesetzt. Der Fußboden wurde um ca. 50 cm auf das jetzige Niveau erhöht und die Treppenanlage mit den flankierenden Podesten (Seitenaltäre) neu gestaltet. Drei barocke Portale wurden in der Südseite des Langhauses, der Nordseite des Leichhauses und der restaurierten Georgskapelle eingebaut.

Durch diese Veränderungen gewann die Kirche ihren heute prägenden barocken Raumeindruck, und es waren die Voraussetzungen für eine entsprechende Ausstattung duch Altäre, Orgel und Kanzel geschaffen.

Auch die Krypta war damit entscheidend verändert. Die westliche Öffnung zur Confessio mit dem zentralen Kultgrab der hl. Saturnina war endgültig verbaut und damit aus dem Zentrum gerückt. Um den tonnenschweren Hochaltar im Chor zu tragen, musste dem Ostabschluß der Krypta eine Mauer als Fundament vorgesetzt werden. Der frühere Zugang zur Lambertikapelle (Anbau am Ostchor) war damit verschlossen.

Letzte Veränderungen

1789 – 1793 wurde das Dach vollständig erneuert, 1797 der Westturm um 6 Fuß erhöht und mit einer geschweiften Haube versehen. Nach der Säkularisierung erhielt die Kirche 1829 einen neuen Anstrich. Die Grabplatten wurden damals aus dem Kirchenboden entfernt und weitgehend zerschlagen. 1855 wurde – aufgrund der hohen Feuchtigkeit – in der Krypta der Fußboden auf das heutige Niveau erhöht, die Säulen verkürzt und die schadhaften Säulenbasen durch neue ersetzt. Größere Renovierungen gab es noch in den Jahren 1910 – 1926, 1954 – 1966, zuletzt 1991 – 1994.

Unter Chor und Vierung der ehemaligen Neuenheerser Stiftskirche befindet sich die wohl einheitlichste und am besten erhaltene Hallenkrypta Westfalens. In ihrer Ausführung und Gestaltung folgt sie dem Vorbild der bestehenden Paderborner Domkrypta.“ (A. Werntze)

 

Gleich links neben der Haupttreppe zur Krypta findet sich eine alte Brunnenanlage, die in Krisenzeiten dem Stift als Wasserquelle diente. Von dort aus soll ein geheimer Stollen zum Äbtissinnenhaus (Wasserschloss Neuenheerse) führen.

Auf der Westseite der Krypta, unter dem Treppenaufgang zum Hochchor, befindet sich die Confessio, eine sehr alte Kultgrabanlage, die ursprünglich das Zentrum des gesamten Kirchenbaus bildete. Heute noch ruht dort ein Teil des bedeutenden Neuenheerser Reliquien-schatzes.

Gegenüberliegend an der Ostseite der Krypta befindet sich der Kreuzigungsaltar. Er wurde von einem unbekannten Meister um 1750 geschaffen.

 

Das Leichhaus ist um 1165 an die Kirche angebaut worden. Ursprünglich diente es als Leichenhalle, heute ist es Vorraum des nördlichen Kircheneingangs.

Von außen betrat man das Leichhaus zunächst durch das nördliche Portal. Weil dieses Portal direkt auf die Stiftsstraße in den Straßenverkehr führt, wurde im letzten Jahrhundert in neuer Eingang in die östliche Leichhauswand gebrochen. Dieser Eingang ist tagsüber für Kirchenbesucher geöffnet. Das alte Nordportal wird heute nur noch als Prozessionsausgang genutzt.

Das Leichhaus ist um 1165 an die Kirche angebaut worden. Ursprünglich diente es als Leichenhalle, heute ist es Vorraum des nördlichen Kircheneingangs.

Von außen betrat man das Leichhaus zunächst durch das nördliche Portal. Weil dieses Portal direkt auf die Stiftsstraße in den Straßenverkehr führt, wurde im letzten Jahrhundert in neuer Eingang in die östliche Leichhauswand gebrochen. Dieser Eingang ist tagsüber für Kirchenbesucher geöffnet. Das alte Nordportal wird heute nur noch als Prozessionsausgang genutzt.

Im Inneren befinden sich die Grabplatten der Äbtissinnen Haseke von Spiegelberg (+1165) und Helene Korff genannt Schmising (+1648), Pastor Dr. theol. Henricus Schwartzenthal (+1744) und Maria Theresia von Ketteler (+1707).

Bis zur Aufhebung des Stiftes Heerse war dies der Versammlungsraum der Stiftsdamen. Im Winter wurden die Gebetszeiten hierhier verlegt, weil nur dieser Raum beheizt werden konnte.

Der fast quadratische Raum fasziniert durch sein kräftig geneigtes Kreuzgratgewölbe, dessen Bögen sich auf einer einzelnen Mittelsäule abstützen.

Nach der letzten Renovierung wurde im Kapitelsaal das Museum der Pfarrei St. Saturnina eingerichtet. Viele der hier ausgestellten Gegenstände befinden sich bis heute im liturgischen Gebrauch.

Vermutlich wurde dieses über 800 Jahre alte Gitter ursprünglich als Abgrenzung zwischen Hochchor und Mittelschiff verwendet. Es stellt eine „lebendige Hecke“ mit Blumen, Trauben und Tieren dar und war auch farbig gefasst. Ab 1961 schloss es nördliche Querhaus vom Seitenschiff ab.

Im Jahre 2005 stellte die Pfarrgemeinde das Chorgitter der Ausstellung „Krone und Schleier – Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern“ im Ruhrlandmuseum Essen als Leihgabe zur Verfügung. In diesem Zusammenhang wurde es von einem Duisburger Fachbetrieb behutsam restauriert und konserviert.

2006 kehrte das Gitter nach Neuenheerse zurück und fand seinen heutigen Platz als Abschluss der Taufkapelle.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) wählte das Chorgitter im März 2006 zum Denkmal des Monats. In der Begründung heißt es unter anderem:

„Innerhalb Westfalens einzigartig, sind die beiden Gitterflügel doch mit einer Gruppe ähnlicher Gitter in Niedersachsen (Hildesheim und Lüneburg) in Verbindung zu bringen. Bisher wurde die Entstehung des Neuenheerser und der verwandten Gitter um 1400 angenommen, jüngere Forschungen gehen aber aus formalen und stilistischen Gründen von einer um 200 Jahre früheren Datierung aus. Um 1200 sind auch die englischen und französischen Vorbilder für diese Schmiedewerke entstanden. Dem schon vorher unbestrittenen Status der ältesten schmiedeeisernen Gitter Deutschlands gibt diese Datierung zusätzliches Gewicht.

Unser Taufstein wurde der Kirche im Jahre 1585 vom Heerser Bürgermeister Heinrich Peyn gestiftet und in der ehemaligen Johanneskapelle, der heutigen Taufkapelle, aufgestellt. Der Bildhauer Simon von Gizen hat ihn als sechseckige Kelchskulptur aus Eggesandstein gearbeitet. Er zeigt auf den Bildtafeln die vier Evangelisten, die heilige Saturnina sowie das Heerser Wappen mit Stifterwidmung und Steinmetzzeichen.

Der obere Saum des Steines trägt die Inschrift:

WARLICK • ICK • SEGGE • DI • ID •SI • DENN • DAT • IEMAND • GEBAREN • IS • UT • DEM • WATER • UND • DEM • H • GEISTE • DE • KANN • NICHT • IN • DAT • RYKE • GADES • KOMEN • IOHANES • AN • III.

Ein bürgerlicher Stifter im 16. Jahrhundert und die plattdeutsche (statt der damals üblichen lateinischen) Inschrift sind unverkennbare Attribute der Reformation. Hiermit hat sich Karina Becker in ihrem Artikel über den Taufstein (St. Saturnina – Pfarrgeschichte ) ausführlich auseinandergesetzt.

 

Altäre des Hochchores (um 1930)

Altäre des Hochchores (um 1930)

 

Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, in dem die Schweden praktisch das gesamte Kircheninnere verwüstet hatten, wurden nach und nach wieder Ausstattungsgegenstände gestiftet und aufgestellt, so dass die Kirche heute im Wesentlichen eine barocke Ausstattung zeigt. Herausragend ist hier das Altar­en­semble des Hochchores, das zwischen 1701 und 1705 als in sich geschlossene Arbeit von Heinrich Papen aus Giershagen geschaffen wurde.

Der Hochaltar

Hochaltar St. Saturnina

Hochaltar St. Saturnina

Der Hochaltar stammt aus dem Jahre 1705. Sein Mittelbild zeigt die Himmelfahrt Mariens – und erinnert daran, dass die Kirche in den ersten Jahrhunderten der heiligen Maria geweiht war. Links und rechts finden wir die Stiftspatroninnen, die heilige Saturnina und die heilige Fortunata. Zuoberst ist die heilige Dreifaltigkeit dargestellt, flankiert von Petrus und Paulus, Johannes dem Täufer und Joseph. Im freistehenden Altartisch rechts unter dem Tabernakel befinden sich in einem Holzschrein die Gebeine von Walburga, der ersten Äbtissin des Stiftes.

Die Seitenaltäre

Diese Altäre verdankt die Stiftskirche einem Wahlstreit.

Zwischen 1688 und 1692 war das Äbtissinnenamt in Neuenheerse vakant, da weder Sophia von der Lippe noch Agatha von Niehausen in der Ernennung zur Äbtissin zurückstehen wollten. 1692 schließlich wurde der Streit beigelegt und Agatha von Niehausen zur Äbtissin gewählt. Die Kontrahentinnen stifteten die Seitenaltäre als Zeichen ihrer Versöhnung.

Der nördliche (linke) Seitenaltar

Linker Seitenaltar

Linker Seitenaltar

Der nördliche Seitenaltar zeigt im Hauptbild das Abendmahl. Links und rechts sind die Kirchenväter Augustinus und Ambrosius, oben abgebildet finden wir die heilige Sophia, Namenspatronin der Stifterin, der Dechantin Sophia von der Lippe.

Der südliche (rechte) Seitenaltar

rechter Seitenaltar

rechter Seitenaltar

Der südliche Seitenaltar zeigt im Hauptbild die Anbetung der heilgen drei Könige, flankiert von den Kirchenvätern Gregorius und Hieronymus; oben die heilige Agatha, die Patronin der Stifterin, der Äbtissin Agatha von Niehausen

 

Der Martinialtar

Martinialtar

Martinialtar

wurde um 1730 von Christophel Papen, dem Sohn Heinrich Papens, erstellt. Das Mittelbild ist dem Gnadenbild der Wallfahrtskirche Maria Hilf in Passau nachempfunden. Darum gruppiert finden sich Standbilder der Heiligen Antonius Einsiedler, Franz von Assisi, Bonifatius und Antonius von Padua. Bekrönt wird der Altar von einem Relief des heiligen Martin mit dem Bettler, umgeben von Engeln. Hinter dem später aufgesetzten Tabernakel befinden sich Nischen, in denen zeitweise die Holzschreine mit den Gebeinen der heiligen Saturnina und Fortunata aufbewahrt wurden. Gestiftet wurde der Altar durch die Äbtissin Gräfin Johanna Maria Katharina von Winkelhausen.

Der Kreuzigungsaltar

Kreuzigungsaltar

Kreuzigungsaltar

Der Altar in der Krypta entstand Mitte des 18. Jahrhundert und besteht aus grauem Sandstein im Baustil des westfälischen Barocks, von einem unbekannten Meister geschaffen.

Er zeigt eine Kalvarienberggruppe mit Jesus am Kreuz, zu seinen Füßen Maria Magdalena, links die Gottesmutter Maria und rechts den Hl. Johannes.

Als Sockel ist abgebildet ein Hadesdrachen, der aus einem Schädel und eine verendete Schlange gebildet wird. Sie sind Attribute des Todes, den Christus durch seine Erlösungstat überwunden hat.

Vor dem Altartisch ist das Asseburger Wappen angebracht.

Weitere Altäre

Der Marienaltar (rechts)

Marienaltar

Marienaltar

befindet sich im nördlichen Seitenschiff der Basilika,

der Josefsaltar (links) an der Südwand der gotischen Hallenkirche.

Josefsaltar

Josefsaltar

Die Orgel in der Pfarrkirche St. Saturnina Neuenheerse

Seit 1348 sind in Neuenheerse Orgeln urkundlich nachweisbar. Auslöser der Beschaffung repräsentativer Orgeln war neben dem kirchenmusikalischen Anspruch eines Adeligen Damenstiftes sicher auch die faszinierend schöne und ausgewogene Akustik dieses Kirchenraumes.

Der Ursprung des jetzigen Instrumentes kann nicht sicher datiert werden, weil zuverlässige Quellenangaben fehlen. Neuere Überlegungen lassen den Schluß zu, daß diese Orgel 1712 – 14 von Andreas Reinecke aus Eschershausen, wahrscheinlich unter Mitwirkung seines Bruders Bernhard, gebaut und nach 1719 mit der farblichen Fassung vollendet wurde. Sie erhielt ihren prachtvollen Barockprospekt mit den überlangen (18′) Pedaltürmen und den bartlosen, silberbelegten Bleipfeifen, deren Labien vergoldet waren. Das Instrument war im weiten Umkreis die bedeutendste Orgel, und seine Organisten wurden des öfteren gutachtlich tätig, z.B. bei der Abnahme der Möller-Orgel in Marienmünster.

Nach mehreren Umbauten erfuhr diese Orgel im Jahre 1883 den gravierendsten Eingriff, als der Paderborner Orgelbaumeister Franz Eggert ein neues 24-registriges, dem romantischen Zeitgeschmack entsprechendes Kegelladeninstrument in das vorhandene Gehäuse stellte; nur einige Register des Pedalwerks und die verstummten Prospektpfeifen blieben erhalten. Einem weiteren Umbau im Jahre 1921 fielen auch die alten Pedalpfeifen zum Opfer. Unglückliche technische Konzeption, vor allem aber mangelhafte Wartung ließen das nunmehr pneumatische Werk in den folgenden Jahrzehnten bis zur Unbrauchbarkeit verkommen.

Dieser Orgel mit ihrem warmen, voluminösen Klang trauern bis heute viele ältere Gemeindemitglieder nach.

Die heutige Orgel mit ihrer üppigen Disposition ist das Ergebnis eines Rekonstruktionsversuches, der Ende der fünfziger Jahre durch den Leiter der Orgelwissenschaftlichen Forschungsstelle der Westfälischen Wilhelms–Universität Münster, Prof. Dr. Rudolf Reuter, erarbeitet wurde. Dafür legte Reuter den damals wahrscheinlichsten Erbauer, Andreas Schweimbs aus Einbeck, zugrunde. Orgelbaumeister Paul Ott (1903-1991) aus Göttingen hat sie unter Verwendung der historischen Prospektpfeifen des Hauptwerks zwischen 1964 und 1966 als vollmechanische Schleifladenorgel in traditioneller Bauweise neu errichtet. Das Gehäuse erhielt in der Werkstatt August Tombusch, Ascheberg, seine ursprünglichen Proportionen zurück und wurde um ein Rückpositiv ergänzt. Die farbliche Fassung wurde von der Restauratorenwerkstatt Anton Ochsenfarth, Paderborn, wiederhergestellt, die erforderlichen Änderungen an der Empore von der Schreinerei Schwarze, Neuenheerse, durchgeführt.

Es ist ein besonderer Glücksfall, dass die Rekonstruktion der größten Orgel Bad Driburgs gerade Paul Ott anvertraut wurde. Ott baute nach einer langen Phase des Vergessens als erster wieder vollmechanische Orgeln in barocker Tradition. Dabei entwickelte er einen unverwechselbaren Personalstil, der auch in Neuenheerse in seiner ganzen Klarheit zum Ausdruck kommt. Es wurden, entgegen den damaligen Gepflogenheiten, keinerlei vorgefertigte „Industrie“-Bauteile verwendet; das gesamte Instrument ist in feiner Handarbeit individuell auf seinen Aufstellungsraum abgestimmt.

Im Rahmen der Kirchenrenovierung 1991–94 hat die Firma Matthias Kreienbrink, Osnabrück-Hellern (jetzt Georgsmarienhütte) das Orgelwerk gründlich überholt. Bedauerlicherweise wurde es dabei klanglich erheblich verändert. Die Anhebung des Winddruckes und eine damit notwendige vollständige Neuintonation haben die ursprüngliche brillante Strahlkraft fast vollständig beseitigt.

Seitdem erklingt in unserer Gemeinde weder die originalgetreue Ott-Orgel noch eine authentische Barockorgel. Das einst für Rundfunk- und Tonträgeraufnahmen gebuchte und in zahlreichen Konzerten von namhaften Organisten gespielte Instrument ist zur Zeit von der Landkarte verschwunden. Allein die Hohlflöte 8′ des Hauptwerks erinnert in geradezu atemberaubender Schönheit an die alte Größe dieses herausragenden Instrumentes.

Die nächstgelegene, noch unveränderte Orgel von Paul Ott, die den ursprünglichen „Neuenheerser Klang“ bewahrt, befindet sich in der Paderborner Markt- und Universitätskirche.

Blick ins Hauptwerk

Während der Arbeiten zur Holzwurmbekämpfung entstand das folgende Bild. Es erlaubt einen Blick auf die Hauptwerksladen bei entfernten Prospektpeifen. Die Verformungen der Laden sind darstellungsbedingt – tatsächlich sind sie rechtwinklig.

 

Vordere Pfeifen: Quintade 16′ (zylindrisch gedackt)

In Bildmitte zwischen den Laden gut erkennbar die aufrecht stehenden Schleifen für die historischen Prospektpeifen (Prinzipal 8′); filzgarniert auf den Ladenstirnseiten abgehend gelötete Bleikondukte zu deren Pfeifenkesseln. Außen links und rechts auf der Ladenkante gebündelt und vor den Stimmgängen hochgebänkt die im Prospekt fehlenden Töne.

Sehr interessant die wellenförmige Form des Stiftbrettes auf halber Höhe; die wegen des begrenzten Raumes dichte Bestückung der Laden mit Pfeifen in tiefer Fußtonlage erfordert eine solche Konstruktion.

 

Hauptwerk, II. Manual (C – g‘‘‘) – 2 Schleifladen

1. Quintade 16′
2. Prinzipal 8′ (Prospekt)
3. Hohlflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Spitzflöte 4′
6. Oktave 2′
7. Sesquialter 3f.
8. Mixtur 5f.
9. Zimbel 3f.
10. Trompete 16′
11. Trompete 8′

Rückpositiv, I. Manual (C – g‘‘‘) – 1 Schleiflade

12. Gedackt 8′
13. Praestant 4′ (Prospekt)
14. Blockflöte 4′
15. Koppelflöte 4‘
16. Rohrnasat 2 2/3′
17. Terzflöte 1 3/5′
18. Quinte 1 1/3′
19. Oktave 1′
20. Scharff 5f.
21. Dulzian 16′
22. Schalmey 8′

Tremulant (seit 1994 elektrifiziert, einstellbar)

Pedalwerk (C – f‘) – 2 (+2) Schleifladen, C/Cs-geteilt

23. Prinzipal 16′ (Prospekt)
24. Subbaß 16′ (Holz)
25. Oktave 8′
26. Gedackt 8′
27. Choralbaß 4′
28. Nachthorn 2′
29. Bauernflöte 1′
30. Mixtur 6f.
31. Posaune 16′
32. Trompete 8′

 

  • 2354 Pfeifen, davon 30 aus Holz (Fichte), sonst Orgelmetall (Zinn/Blei) verschiedener Legierungen, historische Prospektpfeifen aus Blei
  • mechanische Spiel- und Registertraktur
  • Koppeln I/II, I/P, II/P
  • Prospektpfeifen auf Ladenniveau sind klingend
  • Zungenstimmenanteil: 1:4
  • Zungenstimmen mit quadratischen Holzstiefeln und Metallbechern, volle Länge (Trompete 16′ HW und Dulzian 16′ RP halbe Länge), große Pfeifen im Rückpositiv gekröpft, im Pedalwerk oben aus dem Gehäuse herausragend
  • Haupt- und Pedalwerk befinden sich auf gleicher Höhe; Prinzipal 16′ C–A und Subbaß 16′ C–G des Pedalwerks stehen auf Emporenniveau und werden über mechanisch angekoppelte Zusatzladen betätigt.

Die Kanzel

Zwar kann das Alter der Kanzel anhand der Rechnungsbücher des Stiftes genau angegeben werden (1731), aber der Name des Künstlers wird nicht überliefert. Stilistische Vergleiche lassen auf ein Werk von Christophel Papen schließen, der auch den Martinialtar schuf.

Ursprünglich war die Kanzel am nordöstlichen Mittelschiffpfeiler angebracht. Erst in den sechziger Jahren wechselte sie in den Chorraum.

Die Kanzel hängt frei über dem Boden und ist nur mit einer der sechs Seiten an der Kirchenwand befestigt. Eine schmale Treppe ermöglicht den Zugang vom Fräuleinchor aus.

Die vier freien Seitenflächen der Brüstung zeigen die vier Evangelisten als vollplastische Skulpturen, auf dem Dach des Schalldeckels findet man die Abbildung des Guten Hirten, umgeben von den vier großen Kirchenvätern mit ihren Attributen.

St. Sebastian

Sebastian Glocke

Sebastian Glocke

  • Guss: 25.10.1956 von Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher/Westf. durch Hans Hüesker
  • Glockenweihe: 04.11.1956
  • Material: echte Glockenbronze
  • Gewicht: 1496 kg
  • Durchmesser: 1315 mm
  • Rippe: mittelschwer
  • Grundton: es‘
  • Stifter: (Politische) Gemeinde Neuenheerse, Schützenbruderschaft Ss. Fabian und Sebastian, Neuenheerse
  • Inschrift/Verzierung: ST. SEBASTIAN O.P.N. (Heiliger Sebastian, bitte für uns!), Schützenkleinod, Spruchband mit Aufschrift: „GOTT.MID.VNS., 1593 – 1956, PRÆSES: LÖCKER – OBERST: VOGDT – 212 SCHÜTZEN“, Neuenheerser Wappen
  • Läutemaschine: HEW VOCO OMEGA von 1956, 1.4 kW, 500 U/min, elektrisch gebremst seit 2007
  • Schlagwerk: HEW DR[T] 80/1.0 mit Anschlaghammer 12 kg, schlägt den tiefen Ton des Stundenschlages und den 3-3-3–Angelus

Die Glocke sollte eigentlich dem heiligen Liborius, dem Schutzpatron des Erzbistums Paderborn, geweiht werden. Nachdem aber die Schützenbrüderschaft über ein Fünftel der Kosten dieser Glocke übernommen hatte, wurde sie kurzerhand umbenannt.


St. Laurentius

Laurentius Glocke

Laurentius Glocke

  • Guss: 25.10.1956 von Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher/Westf. durch Hans Hüesker
  • Glockenweihe: 04.11.1956
  • Material: echte Glockenbronze
  • Gewicht:  806 kg
  • Durchmesser:  1080 mm
  • Grundton: ges‘
  • Rippe: mittelschwer
  • Stifter: Staat (im Rahmen der Patronatspflicht)
  • Inschrift/Verzierung: ST. LAURENTI O.P.N. (Heiliger Laurentius, bitte für uns!), IGNE ME EXAMINASTI! (Mit Feuer hast du mich gereinigt! (Ps 16,3)), RUPTA SUMPTIBUS FISCA REFUSA (Zersprungen und auf Kosten der Staatskasse umgegossen), Neuenheerser Wappen
  • Läutemaschine: HEW VOCO OMEGA von 1956, überholt 1994, 0.8 kW, 500 U/min, elektrisch gebremst seit 2007
  • Schlagwerk: HEW DR[T] 80/1.0 mit Anschlaghammer 5 kg, schlägt den hohen Ton des Stundenschlages

St. Saturnina

 

Saturnina Glocke

Sturnina Glocke

 

  • Guss: 12.12.1951 von Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher/Westf. durch Josef Feldmann
  • Glockenweihe:  16.12.1951
  • Material: echte Glockenbronze
  • Gewicht:    351 kg
  • Durchmesser: 840 mm
  • Grundton: b‘
  • Rippe: mittelschwer
  • Stifter:  Staat (im Rahmen der Patronatspflicht)
  • Inschrift/Verzierung: STA. SATURNINA BREITE SCHÜTZEND DEINE HÄNDE AUS ÜBER UNSERE PFARRGEMEINDE
  • Läutemaschine: HEW VOCO OMEGA von 1953, überholt 1992, 0.65 kW, 500 U/min, elektrisch gebremst seit 2007

Salve Regina

Marienglocke

Marienglocke

  • Guss: 25.10.1956 von Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher/Westf. durch Hans Hüesker
  • Glockenweihe: 04.11.1956
  • Material: echte Glockenbronze
  • Gewicht:   548 kg
  • Durchmesser:  965 mm
  • Grundton: as‘
  • Rippe: mittelschwer
  • Stifter: Kirchengemeinde
  • Inschrift/Verzierung: SALVE REGINA! (Gegrüßet seist Du Königin!), FUSA SUB PASTORE J. LÖCKER (gegossen unter Pfarrer J. Löcker), Neuenheerser Wappen
  • Läutemaschine: HEW VOCO OMEGA von 1956, 0.8 kW, 500 U/min, elektrisch gebremst seit 2007

St. Agatha

Agatha Glocke

Agatha Glocke

 

  • Guss: 25.10.1956 von Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher/Westf. durch Hans Hüesker
  • Glockenweihe: 04.11.1956
  • Material: echte Glockenbronze
  • Gewicht: 219 kg
  • Durchmesser: 705 mm
  • Grundton: des“
  • Rippe: mittelschwer
  • Stifter: Pfarrer Löcker und eine ungenannte Witwe
  • Inschrift/Verzierung: ST. AGATHA O.P.N. (Heilige Agatha, bitte für uns!), Agatha-Haupt (Reliefbild des Agatha-Reliquiars), Neuenheerser Wappen
  • Läutemaschine: HEW VOCO OMEGA von 1956, 0.5 kW, 500 U/min, elektrisch gebremst seit 2007

Angelusglocke

Angelus Glocke

Angelus Glocke

  • Guss: 22.08.1946 von Glockengießerei Albert Junker vorm. H. Humpert, Brilon durch Albert Junker
  • Glockenweihe: nicht belegt, sollte vermutlich mit den weiteren drei bestellten, aber wegen Zwangsschließung der Gießerei niemals gelieferten Glocken erfolgen.
  • Material: Briloner Sonderbronze
  • Gewicht: 140 kg
  • Durchmesser: 610 mm
  • Grundton: e“
  • Rippe: mittelschwer
  • Stifter: Kirchengemeinde
  • Inschrift/Verzierung: keine. So sollte eine Beschleunigung der wegen der schwierigen Versorgungslage immer wieder verzögerten Ablieferung erreicht werden
  • Läutemaschine: HEW VOCOtronic von 1994, 0.2 kW, 500 U/min, ungebremst, löste die seit langem defekte VOCO OMEGA von 1953 ab
  • Schlagwerk: HEW DRT 8/80/0.5, neu 1993, mit Anschlaghammer 5 kg, schlägt den Viertelstundenschlag

Sakristeiglocke

Sakristei Glocke

Sakristei Glocke

  • Guss:  27.07.1956 von Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher/Westf. durch Hans Hüesker
  • Material: echte Glockenbronze
  • Gewicht: 17 kg
  • Durchmesser: 318 mm
  • Rippe: mittelschwer
  • Stifter:  Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock
  • Inschrift: INTROIBO AD ALTARE DEI (Kehrvers aus dem Stufengebet: „Zum Altare Gottes will ich treten!“)

historische Präsenzglocke

historische Präsenzglocke

historische Präsenzglocke

  • Guss: 13. Jahrhundert
  • Material: echte Glockenbronze
  • Gewicht: 17,7 kg
  • Durchmesser: 313 mm
  • Rippe: mittelschwer
  • Stifter: unbekannt
  • Inschrift/Verzierung; M(aria), verziert, Kreuzrelief

 

Auch die jüngste Ausstattung unserer Pfarrkirche, der neue Kreuzweg von St. Saturnina, wurde der Pfarrkirche im Jahre 2001, alter Tradition folgend, gestiftet.

Am 9. Juni 2002 wurde der Kreuzweg durch Bischof Erwin Kräutler geweiht.

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Das Tütelsche Kreuz an der Lambertikapelle

Das Tütelsche Kreuz ist ein Epitaphkreuz auf dem ehemaligen Kapitelsfriedhof an der Ostseite der Stiftskirche St. Saturnina des ehemaligen Stift Heerse in Neuenheerse. Es steht unter Denkmalschutz.

Das Tütelsche Kreuz und seine bis heute historisch erhaltene Umgebung ist der einzige Ort, der sich in der Novelle Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff eindeutig lokalisieren lässt:

„So liefen wir bis Heerse; da war es noch dunkel, und wir versteckten uns hinter das große Kreuz am Kirchhofe, bis es etwas heller würde, weil wir uns vor den Steinbrüchen am Zellerfelde fürchteten, und wie wir eine Weile gesessen hatten, hörten wir mit einem Male über uns schnauben und stampfen und sahen lange Feuerstrahlen in der Luft gerade über dem Heerser Kirchturm. Wir sprangen auf und liefen, was wir konnten, in Gottes Namen gerade aus, und wie es dämmerte, waren wir wirklich auf dem rechten Wege nach P.“

– Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche

Lediglich zwei Besuche der Droste in Neuenheerse’ sind belegbar: Für den 19. September 1805 („…ein Ausflug nach Neuenheerse…“), da ist Annette von Droste-Hülshoff gerade 8 Jahre alt, und ein längerer Aufenthalt für „Ende September-Mitte Dezember 1819 (…)“, da ist sie 22 Jahre alt. Es ist davon auszugehen, dass Annette von Droste-Hülshoff bei ihren zahlreichen Besuchen der Verwandtschaft im Gebiet des früheren Hochstifts Paderborn öfters in Neuenheerse weilte.

Die Dichterin hatte mehrere familiäre Beziehungen in das adelige Damenstift Neuenheerse: Im Haus der Asseburger Familienpräbende lebte die Großtante der Dichterin, Felicitas von Westphalen zu Heidelbeck. Sie stellt damit die nächste Angehörige der Dichterin in Neuenheerse dar. Während die Droste über die zweite Ehe ihres Großvaters mütterlicherseits 14 Stieftanten und Stiefonkel hatte, bestanden nur äußerst rare direkte blutsverwandschaftliche Bande über die Linie der Mutter und Großmutter der Droste. Die leibliche Großmutter der Dichterin, Marianne von Westphalen zu Heidelbeck (1754–1772) war früh verstorben und hatte nur ein einziges Kind geboren: Die Mutter der Droste, Therese von Droste-Hülshoff, geb. von Haxthausen. Marianne von Westphalen zu Heidelbeck hatte drei Schwestern: Eine davon war die Großtante der Dichterin Maria Felicitas von Westphalen zu Heidelbeck, Stiftsdame zu Neuenheerse. Sie weilte nachweislich spätestens seit 1810 in der Asseburger Kurie.

Felicitas von Westphalen war im Jahr 1800 als letzte katholische Stiftsdame im Stift aufgenommen worden und war zusammen mit der Stiftsdame Theresia von Hornstein die letzte Stiftsdame die in Neuenheerse lebte. Felicitas von Westphalen starb 1832, Theresia von Hornstein 1833 in der Asseburger Kurie. Beide sind auf dem Kapitelsfriedhof in unmittelbarer Nähe des Tütelschen Kreuzes bestattet worden. Die Dichterin besuchte die Großtante Felicitas bei einem ausgiebigen Aufenthalt von Ende September bis Mitte Dezember 1819 in dem Haus der Asseburger Familienpräbende in Neuenheerse und berichtet in einem Brief an ihre Mutter ausführlich davon.

„(…) Ich bin, wie du schon wohl weißt, mit der Schlosshauer nach Neuenheerse gewesen, die Tante Felitz war anfangs sehr spitz, aber zuletzt so freundlich, daß sie nicht wußte, was sie mir zu Gefallen thun sollte, sie LOGIERTE mich zu meiner großen Angst in einem nagelneuen Zimmer, womit sie selbst noch so verwöhnt war, daß sie ihre reinen Schuh jedesmahl abputzte, wenn sie herein ging, sie sagte des Abends, wie sie mich herein führte, Laken, Kissen, Handtücher, alles wäre das Beste was sie in ihrem Vermögen hätte, du kannst denken, wie mir dabey zu Muthe war, sie läßt dich aufs zärtlichste grüßen, und will diesen Winter noch nach Bökendorf kommen, und im Frühjahr soll ich auf vierzehn Tage zu ihr kommen, wofür mich Gott behüte, denn ich kann es gar nicht aushalten, daß sie das Essen mit ihrem eigenen Löffel vorlegt, und wenn sie mir Wein oder auch Wasser einschenkt, die BOUTEILLE zuvor vor den Mund setzt, um zu sehn ob es auch gut ist, wenn das nicht wäre, dann sollte alles noch wohl gehn…(…).

In den Jahren zwischen 1800 und 1816 hielt sich auch Maria Theresia Louise von Westphalen zu Heidelbeck (geb. von Bennigsen), im Haus der Asseburger Kurie auf die bei ihrer Tochter Felicitas von Westphalen lebte oder hier über einen längeren Zeitraum in Pflege gewesen ist. Sie war die Urgroßmutter der Droste. Maria Theresia Luise von Westphalen ist laut der Eintragungen der Kirchenbücher am 6. März 1816 im Alter von 80 Jahren in Neuenheerse gestorben. Sie wurde im nahe gelegenen Löwen in der Familiengruft der Familie von Spiegel zu Borlinghausen in der dortigen Pfarrkirche beigesetzt. Maria Theresia Luise als Urgroßmutter der Droste (und Großmutter der Mutter der Droste, Therese von Droste Hülshoff) ist demnach bei ihrer engsten Angehörigen in Neuenheerse – Tochter Felicitas – im Haus der Asseburger Kurie im Jahr 1816 gestorben.

Weitere Verwandte der Droste in Neuenheerse waren Dorothea von Haxthausen zu Abbenburg und Sophia Theresia von Haxthausen zu Abbenburg. Beide waren Stiftsdamen des adeligen Damenstiftes Heerse und besetzten nacheinander die Familienpräbende derer von Haxthausen. Dorothea resignierte bereits 1792 ihre Präbende, Sophia Theresia lebte von ihrer Aufschwörung 1792 bis zur Säkularisation des Stiftes im Jahr 1810 im Stiftshaus der Haxthausen-Kurie und ist 1862 in Abbenburg bzw. Bökerhof gestorben. Das Gebäude der Kurie von Haxthausen ist bis auf einen barocken Wappenstein an der Fassade des heutigen Baus nicht erhalten.

Annette von Droste-Hülshoff ließ sich in Neuenheerse bei ihren Aufenthalten bei ihrer Verwandtschaft zu Ideen anregen, die später in ihr berühmtestes Werk Die Judenbuche eingeflossen sind. Das Tütelsche Kreuz und der Kirchturm hat der Dichterin damals, wie heute in unmittelbarer Blickachse von der Asseburger Kurie aus vor Augen gestanden. Bis auf unwesentliche Veränderungen ist das historische Ensemble dieses Droste-Ortes bis heute erhalten geblieben und hat damit in ihr briefliches und literarisches Werk Die Judenbuche Eingang gefunden.

 

Quelle: wikipedia.org

Mitten im Steinbergdorf Kühlsen befindet sich die im Jahre 2006 renovierte Kapelle St. Josef, erbaut im Jahre 1767 als einschiffiges Gotteshaus mit dreiseitigem Abschluss und hölzernem Tonnengewölbe. Der Altar, gefertigt um 1700, stammt aus der um 1790 abgebrochenen Johanniskapelle in Neuenheerse. Die Fenster wurden 1893 erneuert. Die Glocke im Dachreiter hat Claudius Fremy im Jahre 1691 gegossen. Ab 1955 wurde die Kapelle um einen Vorbau erweitert.

Die Kapelle steht heute im Eigentum der Stadt Bad Driburg und ist an die Pfarrei St. Saturnina verpachtet.

 

Gottesdienste

Einmal im Monat wird hier am Samstag um 19.00 Uhr die Heilige Messe gefeiert.

 

Kapellenteam

  • Anita Böhle
  • Paul Böhle
  • Katharina Böhle
  • Franz Falke
  • Ulrike Ferber
  • Elke Glunz
  • Jörg Glunz
  • Karl-Heinz Glunz
  • Hans-Josef Schreiber

Die Kluskapelle liegt auf dem Weg von Neuenheerse nach Bad Driburg in einem kleinen Mischwald. Sie wurde im Jahre 1704 gebaut und ist Hauptpatron Antonius, der Einsiedler und als Nebenpatron Antonius von Padua geweiht. Die letzte große Restaurierung fand in den Jahren 1909 bis 1910 statt; aus dieser Zeit stammen auch der Altar (Franz Heise, Warburg) und die Fenster (Carl Hertel, Düsseldorf). Weitere Renovierungen werden bis heute regelmäßig durchgeführt, zuletzt die Sanierung des Vorraumes im Jahre 2009. Der Außenaltar auf dem Kapellenplatz wurde 1962 errichtet und 2007 erweitert.

Der Kapellenplatz wird von der Oese durchflossen, die einige hundert Meter oberhalb der Kapelle entspringt und vom Wasser der Antoniusquelle am nördlichen Ende des Platzes erheblich verstärkt wird.

Am Sonntag nach Antonius (13.06.) findet die Antoniusprozession statt, die ursprünglich von Neuenheerse aus zur Kluskapelle und wieder zurück führte. Traditionell kommt seit vielen Jahren eine Sternwanderung der Antoniuspilger hinzu.

Diese Tradition hat der Pastoralverbund Bad Driburg aufgegriffen und die Antoniusprozession zu einer zentralen liturgischen Feier gemacht: Viele hundert Menschen versammeln sich jedes Jahr am Sonntag nach dem Antoniusfest unter den alten Bäumen vor dem steinernen Außenaltar, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und sich auszutauschen.

Die Antoniusquelle befindet sich am nördlichen Ende des Kluskapellenplatzes. Sie ist die Hauptquelle der Oese, die wenige hundert Meter nordwestlich aus Schwalge, Kettenborn und Bollerborn ihren Anfang nimmt. Die auch im Sommer niedrige Wassertemperatur läßt auf einen tiefliegenden Quellhorizont schließen.

Eine alte Sage berichtet, dass in der Antoniusquelle ein alter Fisch lebt, der sich gewöhnlich in den Klüften des Quellgesteins versteckt. Alle hundert Jahre kommt er ein Mal zum Vorschein. Wer den Fisch erblickt, dem werden drei Wünsche erfüllt. Ebenfalls wird behauptet, dass das Wasser der Quelle gegen Augenkrankheiten angewendet werden kann.

Die Oese fließt von hier aus weiter über Dringenberg, Gehrden und Siddessen, wo sie in die Nethe mündet.

 

33014 Bad Driburg-Neuenheerse

Stiftsstraße 4

 

Öffnungszeiten

täglich von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr – Sommer
8:00 Uhr bis 17.00 Uhr – Winter

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St. Josef Kühlsen

Zu den Dörenwiesen 1

33014 Bad Driburg-Kühlsen

 

Öffnungszeiten:

täglich von 8.00 bis 17.00 Uhr

 

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