Das Fasten wird heute von vielen Menschen wiederentdeckt. Es gibt alle möglichen Angebote und Initiativen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, auf was ich alles verzichten kann. In der christlichen Tradition ist jedoch eines unabdingbar: Fasten bedeutet immer mehr als nur Verzicht üben. Von Jesus wird überliefert, dass er 40 Tage lang in der Wüste gefastet hat und dabei vom Teufel in Versuchung geführt wurde (vgl. Mt 4, 1-11). Das Bild der Wüste kann manches vom Sinn des christlichen Fastens deutlich machen: Die Wüste zwingt zur Reduktion. Wer zu viel mitschleppt, kommt nicht weit. Ich muss überflüssigen Ballast loslassen, um eine größere Bewegungsfreiheit zu gewinnen und ans Ziel zu kommen. Das Wenige erlebe ich in Wüstenzeiten umso intensiver und kann neu wertschätzen, wie kostbar beispielsweise ein Schluck Wasser ist.
Wenn wir die Fastenzeit mit einem Weg durch die Wüste vergleichen, dann kommt es darauf an, uns von allzu selbstverständlichen Abhängigkeiten zu lösen und eine innere Distanz zu gewinnen, um klarer zu sehen, was wirklich notwendig ist und wovon wir eigentlich leben. Dabei kann es auch zu einer Auseinandersetzung mit dem kommen, was in mir dunkel und lebensfeindlich ist. Christliches Fasten ist kein Selbstzweck, sondern zielt immer darauf ab, eine größere Offenheit für Gott und den Nächsten zu gewinnen. Der klassische Dreischritt „Beten – Fasten – Almosen“ weist daraufhin.
Somit geht es in der Fastenzeit nur vordergründig um Verzicht, sondern vor allem um ein „Mehr“ an Leben. Das kann eine größere innere Ruhe oder Freiheit sein oder auch eine Kurskorrektur auf meinem Lebensweg. Vielleicht auch eine neue Perspektive auf den Glauben oder auf meine Mitmenschen. Solche bereichernde Erfahrungen wünsche ich allen, die sich auf das Wagnis einlassen, in der Fastenzeit neue Wege zu gehen.
Matthias Klauke, Pfarradministrator